Angela Rodel


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Noch vor meiner ersten Erinnerung muss ich gesungen haben – so erzählt es zumindest meine Mutter. Sie erzählt auch, dass ich, als ich noch im Kinderwagen geschlafen habe, ständig versucht habe zu singen und sogar ein bisschen in dem seltsamen Rhytmus meiner eigenen Musik zu tanzen. Jeden Morgen hat sie den Kinderwagen am anderen Ende des Zimmers gefunden, getrieben durch den Raum von meinen Tanzkünsten. In der Hoffnung, dass mein musikalischer Enthusiasmus zu etwas Besserem führen würde als zu zerkratztem Parkett, schickten mich meine Eltern in der ersten Klasse zum Klavierunterricht. Und obwohl ich mich mit dem Klavier jahrelang gequält habe, das Singen blieb meine größte Leidenschaft. Deshalb lies ich die Sonatini von Clementi, die meine Klavierlehrerin ausgesucht hatte, hinter mir und vertauschte sie mit einem Buch mit Liedern von Duke Ellington, die ich mit voller Inbrunst gesungen habe, obwohl ich die originalen Lieder nie gehört habe.

Nach langem Singen in verschiedenen Chören und sogar nach der kurzen Erfahrung als Sängerin in einer Punk-Rock-Band, fand ich endlich meine musikalische Berufung. Damals studierte ich im ersten Semesters an der Yale-Universität in den USA. Ich studierte russisch und entschloss mich in den slavischen Chor einzutreten – ein Frauenchor, der Volkslieder aus ganz Osteuropa gesungen hat. Bei der ersten Probe hörte ich „Die Mysterien der bulgarischen Stimmen“ und noch vom ersten Ton an habe ich mich vollkommen in die bulgarische Geasangsart verliebt. Bis zu diesem Moment, trotz der Bemerkungen meiner amerikanischen Chordirigenten, habe ich immer mit voller, kräftiger Stimme gesungen. Ich weigerte mich den schwachen Falzet zu benutzen, der so populär in der westlichen Gesangsart ist. Als ich die kraftvollen Stimmen der großen bulgarischen Sängerinen hörte, wusste ich: das ist die Musik, die ich gesucht habe, die ich schon immer singen wollte. Die  Liebe zur bulgarischen Volksmusik verwandelte sich sehr schnell in eine Manie. Ich brach mein Russischstudium ab und begann Bulgarisch zu studieren. Ich suchte und fand irgendwo her Aufnahmen von bulgarischer Volksmusik und hörte sie ununterbrochen. Nach meiner ersten zauberhaften Reise nach Bulgarien 1996 zu einem Festival in Koprivschtitza, wurde mir klar, daß es absolut notwendig war für eine längere Zeit in diesem wundervollen Land zu bleiben.

Nachdem ich mein Studium in den USA beendet hatte, bekam ich ein „Fullbright“-Stipendium und studierte Bulgaristik an der Sofioter Universität (1996 – 1997).

Als ich 1997 in die USA zurückkehrte und mein Linguistikstudium an der Kalifornischen Universität in Los Angeles beendet hatte, kam ich zu dem Entschluß, daß die bulgarische Musik, die sich zu einem geistigen Zentrum für mich entwickelt hatte, nicht nur am Rand meines wissentschaftlichen Interesses bleiben konnte. Mittlerweile hatte ich in der Universität einen bulgarischen Mädchenchor gegründet und dirigiert, in einer Band für Balkanmusik gesungen (Baksheesh Boys) und beschäftigte mich immer mehr mit Musik. So wechselte ich von Linguistik zur Ethnomusikologie und beendete ein Magisterprogramm. In der Zwischenzeit hatte ich die Ehre von der großen bulgarischen Sängerin Tzvetanka Varimesova zu lernen, die auch in der Universität unterrichtet hat. Im Jahr 2005 hatte ich die Gelegenheit wieder in Bulgarien zu studieren, diesmal als Aufbaustudentin in der Akademie der Künste in Plovdiv. Dort recherchierte ich für meine Doktorarbeit und studierte bulgarischen Volksgesang bei Dr. Svetla Stanilova und Tambura bei Vladimir Vladimirov.

Im gleichen Jahr lernte ich Ivan Hristov und Petar Tchouhov auf einer Party kennen. Ihre aussergewöhnliche Kombination aus Folklore und  Rock hat mich sofort angezogen. Ich habe immer davon geträumt meine Lieblingsstilrichtungen in einem zu vereinen – bulgarische Volksmusik und amerikanischer Rock. Ich schloss mich ihren Jam-Session an und seitdem spielen wir und machen Musik zusammen. Mitlerweile bringe ich Elemente des amerikanischen Folklor mit ein um den Stil noch mehr zu vervielfältigen.

Set Frühjahr 2006 lebe ich nun in Sofia und mache weiterhin Musik mit den Jungs von Gologan. Nebenbei schreibe ich auch an meiner Doktorarbeit „Bulgarisches Volkssingen“.

Bei Fragen oder Sonstigem – angelagologan.net

 


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Gologan © 2006. letzte Aenderung: 1 August 2006